Workshop: Auf dem Weg zur Lern-WG

Bericht über den zweiten Workshop der Anne Ramm Stiftung am 14.10.2017

Am Samstag, den 14.10.2017 veranstaltete die Anne Ramm Stiftung (ARS) in den Räumen der Medical School Berlin (MSB) in der Calandrelli Straße 1-9 in Berlin-Lankwitz einen weiteren Workshop zum Thema Lern-WG. Neben den zukünftigen Bewohner*innen der WG nahmen auch die Eltern der jungen Erwachsenen mit Förderbedarf sowie Vertreter der ARS teil. Gastgeberin war Frau Prof. Dr. J. L. Köpcke als Leiterin des Fachbereichs Heilpädagogik der MSB. Leitung und Moderation übernahm Tobias Polsfuß, Gründer von WOHN:SINN, einer Plattform für Inklusive Wohngemeinschaften in Deutschland.

Anne-Caroline Ramm (l.) im Gespräch mit Prof. Dr. Köpcke und T. Polsfuß

Mein Traumhaus

Die zukünftigen WG-Bewohner*innen waren voller Neugier auf ihre Mitbewohner*innen und die neue Wohnsituation, bedeutet dieser Wohnungswechsel doch die Aufgabe der vertrauten Umgebung oder den Auszug aus der elterlichen Wohnung.

Nach einer Vorstellungsrunde wurden Arbeitsgruppen gebildet zum Thema „Traumhaus“. Dabei waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es wurde deutlich, dass „traumhaftes Wohnen“ auch immer etwas mit Privatsphäre und Gemeinschaft, Lautstärke und Ruhe, Gruppen-Aktivitäten und alleine-sein-können zu tun hat.

Unser Miteinander

Die zukünftigen Bewohner*innen der Lern-WG fertigten Steckbriefe an mit ihren Hobbies und Interessen, aber auch Aussagen zu Charakter oder Eigenarten. Die Ergebnisse sollen genutzt werden, um die Lern-WG nicht nur für, sondern auch mit den Bewohner*innen gemeinsam zu planen. Schließlich wollen wir uns auf Augenhöhe begegnen und den Menschen mit Unterstützungsbedarf ein möglichst selbständiges Leben ermöglichen.

Beispiele aus München und Dresden

Tobias aus München und Max und Pierre aus Dresden berichteten über das Leben und die Organisation ihrer Inklusiven  WGs und hatten die ungeteilte Aufmerksamkeit der zukünftigen Bewohner*innen. Eine Menge neugieriger Fragen mussten beantwortet werden, sowohl zum WG-Alltag als auch zur Lösung von Konflikten.

Gruppenfindung / Wünsche und Sorgen

In einer weiteren Gruppenarbeit haben sich die zukünftigen Bewohner*innen Gedanken gemacht über Wünsche und Sorgen in Bezug auf ihr neues Zuhause.

Angesprochen wurden Punkte wie Gemeinsame Erlebnisse, Privatsphäre, („Dienst“)Pläne, Akzeptanz für Eigenheiten, Sauberkeits-und Ordnungsstandards, Grenzen und das Gleichgewicht zwischen Studium/Arbeit/WG/Privatleben. Somit wird sichergestellt, dass alle Mitbewohner*innen von Anfang an in Planng und Organisation des Zusammenlebens eingebunden sind.

Lernen loszulassen

Während sich die jungen Erwachsenen um die Organisation ihres zukünftigen Lebens kümmerten, sprachen ihre Eltern über die Vorstellungen und Hoffnungen bezüglich der Wohngemeinschaft. Die Eltern wünschen sich für ihre Kinder Geborgenheit und Sicherheit, Betreuung und Regeln. Sportliche Aktivitäten sollten nicht zu kurz kommen und Freizeit soll sinnvoll genutzt werden. Neben einem hohen Maß an Transparenz  und Kommunikation wird aber auch der Wunsch geäußert, „kleine“ Sorgen möchten bitte von und innerhalb der WG geklärt werden. Es wurde deutlich, dass dieser Lebensabschnitt der jungen WG-Bewohner*innen mit einer Mischung von Sorge und Erleichterung seitens der Eltern einhergeht.

Für alle Teilnehmer*innen war der Workshop in den wunderschönen Räumen der Medical School Berlin eine wichtige Station auf dem Weg ins eigene Zuhause. Aber es wurde auch deutlich, dass noch weitere Vorbereitung benötigt wird.